Zukunftsort
Königstraße 30/32

Neue Perspektiven für einen zentralen Innenstadtort.

Mitten in Stuttgart, zwischen Königstraße, Kleinem Schlossplatz und Kunstmuseum, steht ein bedeutendes Gebäude vor einer grundlegenden Weiterentwicklung. Es eröffnet sich die Chance, Stadtraum, Nutzungen und Architektur neu aufeinander abzustimmen und den Standort als wichtigen Baustein der Stuttgarter Innenstadt zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Wie der Zukunftsort Königstraße 30/32 konkret aussehen wird, steht noch nicht fest. Die bestmögliche Lösung soll in einem qualifizierten Wettbewerbsverfahren entwickelt werden.

Projekt · Projektüberblick

Aus Bestand wird Perspektive.

Das Gebäude an der Königstraße 30/32 wurde in den 1960er Jahren für die Girokasse Stuttgart und die Buchhandlung Wittwer errichtet. Seither prägt es einen zentralen Ort zwischen Schlossplatz, Kleinem Schlossplatz und Königstraße.

Vorliegende Untersuchungen zeigen, dass der Bestand nicht mehr den heutigen und zukünftigen Anforderungen entspricht. Das betrifft unter anderem Gebäudetechnik, Brandschutz, Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Flächenorganisation und die Nutzungsflexibilität für Zweit- und Drittnutzungen.
Vor diesem Hintergrund wurden unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten betrachtet, von Sanierung und Umbau über einen teilweisen Erhalt bis hin zu einer vollständigen Neugestaltung.

Im Mittelpunkt steht nicht allein die Zukunft eines einzelnen Gebäudes. Vielmehr geht es um die Frage, wie sich dieser zentrale Ort zwischen Königstraße, Kleinem Schlossplatz und Kunstmuseum qualitätsvoll weiterentwickeln kann – im Zusammenspiel von Architektur, Nutzung und öffentlichem Raum.

Fakten
  • Baujahr: 1968
  • Architekten: Max Bächer, Walter Kammerer und Hans Belz
  • Ursprüngliche Nutzung: Girokasse Stuttgart und Buchhandlung Wittwer
  • Heutige Nutzung: Buchhandlung Thalia, Gastronomie, Büros, eine Wohnung sowie Fitnessstudio
  • Fläche: ca. 7.800 m² Geschossfläche

Denkmalfachliche Einordnung Geprüft.
Bewertet. Klar eingeordnet.

Die denkmalfachliche Bedeutung des Gebäudes wurde sorgfältig geprüft. Das Landesamt für Denkmalpflege kommt zu dem Ergebnis, dass das Gebäude keine Kulturdenkmaleigenschaft besitzt. Ausschlaggebend ist, dass der dokumentarische und exemplarische Wert durch zahlreiche und tiefgreifende Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte deutlich geschmälert wurde.
Das Gebäude wird daher nicht in das Denkmalverzeichnis der Landeshauptstadt Stuttgart aufgenommen.

Erhalten, was tragfähig ist.

Dort, wo vorhandene Bausubstanz technisch, funktional und ökologisch sinnvoll weiterverwendet werden kann, soll sie in die zukünftige Entwicklung einbezogen werden. Nach dem aktuellen Untersuchungsstand betrifft dies insbesondere die Untergeschosse, Teile des Erdgeschosses sowie bestehende Infrastruktur.
Der Umgang mit dem Bestand ist eine wichtige Aufgabe des Wettbewerbsverfahrens.

Erhalt von rund 45 % der Bausubstanz

Projekt · Nutzung

Zukunftsfähigkeit braucht Spielräume.

Ziel ist eine langfristig tragfähige und flexibel nutzbare Gebäudestruktur, die auf die sich wandelnden Anforderungen der Innenstadt reagieren kann. Denkbar sind insbesondere Nutzungen aus den Bereichen Einzelhandel, Gastronomie, Büro, Hotel und weitere kerngebietstypische Angebote.
Die Stuttgarter Innenstadt befindet sich in einem fortlaufenden Transformationsprozess. Umso wichtiger sind Flächen, die auch langfristig unterschiedliche Nutzungen aufnehmen und auf zukünftige Entwicklungen reagieren können.

Einzelhandel
Gastronomie
Arbeit
Stadtbaustein
Projekt · Nutzung

Zukunftsfähigkeit braucht Spielräume.

Ziel ist eine langfristig tragfähige und flexibel nutzbare Gebäudestruktur, die auf die sich wandelenden Anforderungen der Innenstadt reagieren kann. Denkbar sind insbesondere Nutzungen aus den Bereichen Einzelhandel, Gastronomie, Büro, Hotel und weitere kerngebietstypische Angebote.
Die Stuttgarter Innenstadt befindet sich in einem fortlaufenden Transformationsprozess. Umso wichtiger sind Flächen, die auch langfristig unterschiedliche Nutzungen aufnehmen und auf zukünftige Entwicklungen reagieren können.

Einzelhandel
Gastronomie
Arbeit
Stadtbaustein
Kontext · Ort und Kontext

Ein Stadtraum mit Geschichte.
Neue Perspektiven für Stuttgart.

Der Kleine Schlossplatz ist das Ergebnis mehrerer tiefgreifender Umbauphasen. Das Wittwergebäude aus den 1960er Jahren wurde als passgenauer Baustein der damaligen Planieüberplattung konzipiert, die den Idealen der autogerechten Stadt verpflichtet war.

Mit der Errichtung einer Freitreppe zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft 1993 und dem Neubau des Kunstmuseums 2005 veränderten sich Raumkanten, Ebenen, Adressbildung, Zugänge und Nutzungsbeziehungen jedoch grundlegend.

Das Gebäude blieb bestehen, sein ursprünglicher städtebaulicher Zusammenhang ging jedoch weitgehend verloren. Die Schauseite des Hauses rückte in die zweite Reihe. Heute treffen unterschiedliche Planungszeitschichten aufeinander. Sichtbar werden räumliche Brüche, unklare Übergänge und wenig aktivierte Rückseiten.

1968
1993
2005
Erdgeschosszone des Wittwerhauses an der Königstraße 30/32 mit Eingangsbereich, Fahrradstellplätzen und der Betonkonstruktion darüber.

Gebäude und Stadtraum gemeinsam denken.

Die Weiterentwicklung des Standorts eröffnet deshalb Potenziale, die über das Gebäude hinausreichen. Wegebeziehungen können neu geordnet, Zugänge gestärkt, Sichtbeziehungen verbessert und Erdgeschosszonen aktiviert werden.

Insbesondere für den Kleinen Schlossplatz besteht die Chance, seine räumliche Fassung, seine Anbindung und seine Aufenthaltsqualität deutlich zu verbessern. Ein Abrücken vom Kunstmuseum kann den Stadtraum qualitätsvoll weiterentwickeln.

Die Aufgabe ist damit nicht nur architektonisch, sondern vor allem städtebaulich zu verstehen – als Beitrag zur Stadtreparatur und zur qualitativen Weiterentwicklung eines zentralen Innenstadtbereichs.

Innenstadt ist Veränderung.

Handel, Arbeit, Mobilität und öffentlicher Raum verändern sich. Zentrale Innenstadtlagen müssen auf neue Anforderungen reagieren und langfristig anpassungsfähig bleiben.

Die Königstraße 30/32 kann deshalb nicht nur baulich erneuert, sondern auch in der Beziehung zur Stadt räumlich und funktional neu positioniert werden.

Status · Meilensteine

Der Prozess läuft.

2025
Bestandsanalyse
Bauliche, technische und funktionale Ausgangslage erfassen.

2025
Prüfung der Entwicklungsmöglichkeiten
Bewertung von Sanierung, Umbau, Teil-Erhalt und Neubau.

2025
Fachliche und politische Erstbefassung
Zentrale Rahmenbedingungen mit der Landeshauptstadt Stuttgart, Politik und Fachöffentlichkeit einordnen. Konsultation der Fachstellen.

2026
Vorstellung des Projekts im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik

2026
Vorstellung des Projekts im Bezirksbeirat Stuttgart-Mitte

2026
Informationsveranstaltung im StadtPalais Stuttgart mit der Architektenkammer Baden-Württemberg
Podiumsdiskussion mit einer umfassenden Betrachtung des Projekts aus unterschiedlichen Perspektiven.

2026: STATUS QUO
Vorbereitung des Wettbewerbs
Aufgabenstellung, Bewertungskriterien und Verfahrensstruktur werden gemeinsam mit der Landeshauptstadt Stuttgart und der Architektenkammer Baden-Württemberg vorbereitet.

WEITERE SCHRITTE 2026
Auslobung Wettbewerb
Neun nationale und internationale Büros nehmen die Bearbeitung auf, darunter auch zwei Stuttgarter Büros.

2027
Präsentation der Wettbewerbsergebnisse
Die Wettbewerbsergebnisse werden öffentlich ausgestellt.

2027
Weitere planerische Verfahren
Auf Basis des prämierten Entwurfs wird die Planung fortgeschrieben und das Baugenehmigungsverfahren eingeleitet.

2027
Ende der jetzigen Nutzung
Die Buchhandlung Thalia zieht Ende 2027 in neue Flächen in der Stuttgarter Innenstadt.

Wettbewerb

Qualität entsteht im Vergleich.

Derzeit wird das Wettbewerbsverfahren für die Königstraße 30/32 vorbereitet. Vorgesehen ist ein eingeladener einphasiger, kooperativer hochbaulicher Realisierungswettbewerb mit freiraumplanerischem Ideenteil nach RPW mit neun nationalen und internationalen Architekturbüros, davon zwei aus Stuttgart. Die Landeshauptstadt Stuttgart und die Architektenkammer Baden-Württemberg sind eng in die Vorbereitung eingebunden.

Der städtebauliche Ideenteil untersucht die Einbindung des Standorts in sein Umfeld. Er soll Perspektiven für die Zukunft des öffentlichen Raums entwickeln und die topografischen Brüche des Standortes lösen. Der Realisierungsteil konzentriert sich auf die Entwicklung des Gebäudes und verfolgt das Ziel, eine stadträumlich, funktional, architektonisch und wirtschaftlich überzeugende Zukunftsperspektive zu schaffen.

Verfahren

Wettbewerb nach RPW

Teilnehmer

Neun Architekturbüros

Aufgabenstellung

Ideen- + Realisierungsteil

Stand

In Vorbereitung

Aufgabenstellung, Bewertungskriterien und Verfahrensablauf werden derzeit weiter ausgearbeitet und abgestimmt. Parallel dazu werden die Grundlagen für eine transparente Information der Öffentlichkeit und den weiteren Dialog geschaffen.

Die Vielfalt der eingeladenen Planungsbüros lässt unterschiedliche und interessante Lösungsansätze erwarten. Dabei soll der Denkraum bewusst weit gefasst werden: Es bestehen keine Denkverbote. Entscheidend ist, dass die Vorschläge städtebauliche Qualität, architektonischen Anspruch, wirtschaftliche Umsetzbarkeit und einen nachhaltigen Gebäudebetrieb miteinander verbinden.

„Die städtebauliche und architektonische Lösung wird im Rahmen des Wettbewerbs entwickelt.“

Der Wettbewerb wird zeigen, was an diesem Ort wirklich möglich ist. Der Zukunftsort Königstraße 30/32 als Möglichkeitsraum.

Dialog

Starke Planung braucht echten Wettbewerb.

Die Entwicklung eines zentralen Innenstadtorts berührt unterschiedliche Interessen, Erwartungen und fachliche Fragestellungen. Deshalb begleiten wir den weiteren Prozess mit transparenter Information und einem strukturierten Dialog.

Nachbarschaft und Umfeld.

Im Mittelpunkt stehen Fragen zu Erreichbarkeit, Wegebeziehungen, Anlieferung, künftigen Nutzungen, Besucherfrequenzen und späteren Bauabläufen.

Fachöffentlichkeit und Baukultur.

Im Fokus stehen Städtebau, Architektur, Umgang mit dem Bestand, Nachhaltigkeit, Wettbewerbsverfahren und die Qualität des öffentlichen Raums.

Innenstadtakteure und Öffentlichkeit.

Im Mittelpunkt stehen Nutzungsmischung, Handel, Gastronomie, Büro, Hotel, öffentlicher Raum, Innenstadtentwicklung und die langfristige Perspektive des Standorts.

Transparenz braucht Rückkopplung.

Für jedes Dialogformat machen wir deutlich, welche Fragen noch offen sind, welches Ziel verfolgt wird, wie Hinweise dokumentiert werden und wie die Ergebnisse in die weitere Bearbeitung einfließen.

Nachhaltigkeit

Nachhaltig ist, was langfristig trägt.

Nachhaltigkeit bemessen wir dabei nicht allein an der im Bestand gebundenen grauen Energie, sondern an der Bilanz über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Es geht nicht allein um den Energieverbrauch im Betrieb. Berücksichtigt werden ebenso vorhandene Bausubstanz, graue Energie, Materialeinsatz, Wiederverwendung, Rückbau, flexible Grundrisse, Klimaresilienz und langfristige Nutzbarkeit.

Wir prüfen eine Sanierung grundsätzlich als mögliche Option. Entscheidend ist für uns jedoch, ob sie die technischen, funktionalen und energetischen Anforderungen dauerhaft erfüllen kann. Ein moderner, energieeffizienter und langfristig flexibel nutzbarer Neubau kann über seine Nutzungsdauer eine bessere Gesamtbilanz erreichen als ein technisch aufwendig ertüchtigter Bau der 1960er-Jahre, der trotz Sanierung grundlegende funktionale und energetische Einschränkungen behält.

FAQ

Was geklärt ist. Was offen bleibt.

Die Fragen und Antworten greifen zentrale Themen auf und werden im weiteren Projektverlauf kontinuierlich ergänzt und aktualisiert.

1. Bestand: Sanierung, Varianten, Erhalt, Bedeutung des Bestands

Das Gebäude wurde 1968 errichtet und hat nach knapp 60 Jahren Nutzung sowie zahlreichen Umbauten das Ende seines technischen und funktionalen Lebenszyklus erreicht.

Es bestehen erhebliche bauliche und technische Defizite. Dazu zählen insbesondere Brandschutz, Erdbebenschutz, Raumhöhen, Barrierefreiheit, Haustechnik, Lüftung, Kühlung, Energieeffizienz und die Flexibilität der Flächen.

Hinzu kommt: Die Nutzung des Gebäudes kann aufgrund der bestehenden Mängel nur noch bis Ende 2027 gewährleistet werden. Danach wären ohne eine grundlegende Neuordnung wesentliche Teile des Gebäudes an diesem zentralen Innenstadtstandort nicht mehr zeitgemäß nutzbar.

Eine umfassende Sanierung wurde intensiv geprüft. Dabei wurde deutlich, dass eine zukunftsfähige Modernisierung des bestehenden Gebäudes oberhalb der Untergeschosse unter den bestehenden baulichen Rahmenbedingungen weder technisch noch funktional überzeugend möglich ist.

Ein wesentlicher Grund sind die geringen Raumhöhen. Die Einzelhandelsflächen verfügen teilweise nur über lichte Höhen von rund 2,65 m bis 2,85 m. Nach Einbau moderner Lüftungs-, Kühlungs- und Brandschutztechnik würden Raumhöhen entstehen, die für zeitgemäße Handels- und Nutzungsanforderungen kaum noch geeignet wären.

Auch das Tragwerk setzt enge Grenzen. Die Herausnahme von Geschossdecken zur Schaffung höherer Räume ist aufgrund fehlender statischer Reserven nicht möglich. Zusätzliche Deckendurchbrüche sind wegen der bauzeittypisch minimierten Konstruktion nur eingeschränkt machbar. Hinzu kommen Anforderungen an Erdbebenschutz, Brandschutz, Fassadendämmung und Gebäudetechnik.

Eine Sanierung würde daher tief in die vorhandene Struktur eingreifen, ohne zugleich die wesentlichen funktionalen Anforderungen an ein langfristig zukunftsfähiges Gebäude erfüllen zu können.

Nein. Das Landesamt für Denkmalpflege hat das Gebäude geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass keine Kulturdenkmaleigenschaft vorliegt.

Ausschlaggebend ist, dass das Gebäude im Laufe der Jahrzehnte durch zahlreiche Umbauten stark verändert wurde. Der ursprüngliche dokumentarische und exemplarische Wert als Geschäftshaus der 1960er-Jahre wurde dadurch erheblich geschmälert.

2. Nachhaltigkeit: graue Energie, Materialwiederverwendung, Klimaziele

Nein. Wesentliche unterirdische Gebäudeteile sollen zwingend erhalten und in die weitere Entwicklung des Standorts integriert werden.

Die Untergeschosse machen rund 43 bis 45 Prozent der Bruttogrundfläche aus. Sie sind in gutem und sanierungsfähigem Zustand, funktional erforderlich und eng mit der Planie-Überplattung sowie dem Umfeld verzahnt.

Der Erhalt der Untergeschosse ist aus mehreren Gründen sinnvoll.

Er bewahrt einen erheblichen Teil der vorhandenen Gebäudesubstanz, reduziert den Bedarf an Tiefbauarbeiten, verkürzt die Bauzeit voraussichtlich um rund ein Jahr und verringert Baustellenemissionen, Lärm, Staub und Einschränkungen für das Umfeld.

Zugleich ist der Erhalt ein wichtiger Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und grauer Energie.

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist nicht allein der Moment des Bauens, sondern der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes – also Herstellung, Erhalt, Betrieb, Energieverbrauch, Anpassungsfähigkeit und langfristige Nutzbarkeit.

Eine Sanierung ist deshalb grundsätzlich immer sorgfältig zu prüfen. Im Fall der Königstraße 30/32 zeigen die bisherigen Untersuchungen jedoch, dass eine Sanierung des aufstehenden Gebäudes die bestehenden technischen und funktionalen Probleme nicht nachhaltig lösen würde. Ziel ist daher eine Lösung, die den Erhalt sinnvoll nutzbarer Bausubstanz mit Klimaschutz, Ressourcenschonung und langfristiger Zukunftsfähigkeit verbindet.

Dort, wo vorhandene Substanz sinnvoll erhalten und weitergenutzt werden kann, soll sie erhalten bleiben. Gleichzeitig soll ein neues, energieeffizientes, flexibles und langfristig nutzbares Gebäude entstehen, das im Betrieb deutlich bessere Voraussetzungen bietet als das heutige unsanierte Bestandsgebäude.

Mit „goldener Energie“ wird häufig die kulturelle, soziale und emotionale Bedeutung eines Gebäudes oder Ortes beschrieben – also das, was über die reine Material- und Energiebilanz hinausgeht.

Bei der Königstraße 30/32  ist diese Dimension besonders wichtig, weil der Ort durch die Buchhandlung Wittwer über Jahrzehnte stark im Stadtgedächtnis verankert wurde. Gleichzeitig hat sich diese Prägung durch den Auszug von Wittwer, die Übernahme durch Thalia, zahlreiche bauliche Veränderungen und die veränderte stadträumliche Situation bereits stark verändert.

Ziel ist daher, die emotionale Bedeutung des Ortes ernst zu nehmen, diese in der weiteren Entwicklung mitzudenken, aber zugleich eine neue, zukunftsfähige Identität für diesen zentralen Stadtraum zu entwickeln.

3. Städtebau und Architektur: Entwurf, Setzung, Kleiner Schlossplatz

Der Standort Königstraße 30/32 liegt an einer der prominentesten Schnittstellen der Stuttgarter Innenstadt. Er betrifft nicht nur das Gebäude selbst, sondern das Zusammenspiel von Königstraße, Kleinem Schlossplatz, Kunstmuseum, Kanzleistraße und Schlossplatz.

Die Weiterentwicklung des Standorts muss deshalb städtebaulich gedacht werden. Es geht um Wegebeziehungen, Sichtachsen, Adressen, Erdgeschosszonen, Aufenthaltsqualität und die Frage, wie dieser zentrale Stadtraum künftig funktional und gestalterisch verbessert werden kann.

Mit dem Neubau des Kunstmuseums wurde die stadträumliche Ordnung am Übergang zwischen Schlossplatz, Kleinem Schlossplatz und Königstraße grundlegend verändert.

Die Königstraße 30/32 wurde dadurch in ihrer ursprünglichen Präsenz geschwächt und liegt heute stärker in einer rückwärtigen Lage. Die ehemalige „Schauseite“ des Gebäudes, seine Vorderseite, ist heute weitgehend durch das Kunstmuseum verdeckt. Zugleich haben sich Wegebeziehungen, Blickrichtungen und Nutzungsstrukturen verändert.

Der Kleine Schlossplatz und die Kanzleistraße weisen heute städtebauliche Defizite auf, die im Zuge einer Weiterentwicklung des Standorts mit betrachtet und nach Möglichkeit verbessert werden können.

Mit „Stadtreparatur“ ist keine nostalgische Rückkehr zu einer früheren Situation gemeint. Gemeint ist vielmehr eine gezielte Verbesserung der heutigen stadträumlichen Situation.

Dazu gehören insbesondere bessere Verbindungen zwischen Königstraße, Kleinem Schlossplatz und Kanzleistraße, eine klarere Adressbildung, aktivere Erdgeschosszonen und mehr Aufenthaltsqualität. Zugleich sollen die Kanzleistraße belebt und der Kleine Schlossplatz gestärkt werden. Ziel ist ein Gebäude, das möglichst keine klassischen Rückseiten ausbildet, sondern zu allen öffentlichen Räumen aktive Bezüge herstellt.

Das heutige Gebäude entstand Ende der 1960er-Jahre im Kontext der Planie-Überplattung und damaliger Leitbilder der autogerechten Stadt. Diese städtebauliche Konzeption ist heute weitgehend aufgegeben.

Das Umfeld hat sich seitdem deutlich verändert. Deshalb kann der Standort nicht allein aus der Perspektive seiner Entstehungszeit betrachtet werden. Entscheidend ist, welche Lösung heute und künftig für diesen zentralen Stadtraum tragfähig ist.

4. Nutzungen: Einzelhandel, Gastronomie, Nutzungsmischung

Die künftige Nutzung soll den Standort über unterschiedliche Tageszeiten hinweg beleben und seiner zentralen Lage gerecht werden.

Vorgesehen ist eine Mischung aus Handel, Gastronomie, Dienstleistungen, Büroflächen und gegebenenfalls ergänzenden Nutzungen wie einem Hotel. Wichtig sind vor allem aktive Erdgeschosszonen, gut sichtbare Adressen und Nutzungen, die zur Belebung von Königstraße, Kleinem Schlossplatz und Kanzleistraße beitragen.

Thalia wird nach derzeitigem Stand nicht in das neue Gebäude zurückkehren und sich dauerhaft an einem anderen Standort einrichten.

Ob im Neubau erneut eine Buchhandlung oder ein buchhandelsnahes Konzept möglich ist, ist derzeit offen. Grundsätzlich sollen die künftigen Nutzungen zur Lage passen und den Standort beleben. Welche konkreten Betreiber und Formate später einziehen, wird erst in späteren Planungs- und Vermarktungsschritten entschieden.

Eine Wohnnutzung ist an diesem Standort derzeit nicht vorgesehen. Die Landeshauptstadt Stuttgart verfolgt für die Königstraße 30/32 vielmehr das Ziel, die zentrale Innenstadtlage insbesondere für publikumsorientierte und innenstadttypische Nutzungen weiterzuentwickeln.

Im Vordergrund stehen deshalb Handel, Gastronomie, Dienstleistungen und weitere Nutzungen, die zur Belebung des öffentlichen Raums und zur Stärkung der Königstraße, des Kleinen Schlossplatzes und der Kanzleistraße beitragen. Diese Zielsetzung bildet eine wichtige Rahmenbedingung für den Wettbewerb und die weitere Planung.

Der Standort eignet sich grundsätzlich auch für öffentlich wirksame, kulturelle oder konsumfreie Nutzungen. Solche Nutzungen können zur Belebung und Attraktivität des Ortes beitragen.

Ob und in welchem Umfang entsprechende Angebote realisiert werden können, ist im weiteren Verfahren zu prüfen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass kulturelle und konsumfreie Nutzungen in der Regel geeignete Träger- und Finanzierungskonzepte voraussetzen und gegebenenfalls ein entsprechendes Engagement der öffentlichen Hand erfordern.

5. Wettbewerb: Verfahren, Teilnehmende, Bewertung, Veröffentlichung

Der Standort ist städtebaulich und architektonisch so sensibel, dass die künftige Lösung nicht allein aus einer internen Planung heraus entwickelt werden soll. Der Wettbewerb wird auf Initiative der Dinkelacker AG ausgelobt.

Der geplante Wettbewerb ist das zentrale Instrument zur Qualitätssicherung. Er soll unterschiedliche städtebauliche und architektonische Ansätze sichtbar machen, fachlich vergleichen und eine tragfähige Grundlage für die weitere Planung schaffen.

Ziel ist eine Lösung, die dem Ort gerecht wird: architektonisch anspruchsvoll, funktional zukunftsfähig, wirtschaftlich tragfähig und städtebaulich überzeugend.

Für die Neubebauung an der Königstraße 30/32 ist ein eingeladener einphasiger, kooperativer hochbaulicher Realisierungswettbewerb mit freiraumplanerischem Ideenteil nach den Richtlinien für Planungswettbewerbe vorgesehen. Dazu werden neun nationale und internationale Architekturbüros eingeladen, davon zwei aus Stuttgart, die besondere Erfahrung mit anspruchsvollen innerstädtischen Aufgaben mitbringen.

Die Bewertung erfolgt durch ein renommiert besetztes Fach- und Sachpreisgericht. Die Landeshauptstadt Stuttgart und Mitglieder der Fraktionen aus dem Gemeinderat werden im Preisgericht vertreten sein. Damit soll sichergestellt werden, dass neben der architektonischen Qualität auch städtebauliche, funktionale und stadträumliche Anforderungen sowie Belange der Öffentlichkeit angemessen berücksichtigt werden.

Das Verfahren wird in enger Abstimmung mit der Landeshauptstadt Stuttgart vorbereitet und durchgeführt. Mit dem Büro Luchterhand + Partner aus Hamburg konnte ein erfahrenes Büro für die Durchführung des Wettbewerbs gewonnen werden.

Der Wettbewerb soll keine bereits fertige Lösung nachträglich bestätigen, sondern unterschiedliche städtebauliche und architektonische Lösungsansätze entwickeln und prüfen.

Gleichzeitig gibt es fachliche Rahmenbedingungen: Das Gebäude weist erhebliche technische und funktionale Defizite auf, die Nutzung endet voraussichtlich Ende 2027, und ein vollständiger Erhalt der oberirdischen Gebäudeteile ist nach der bisherigen Prüfung nicht sinnvoll. Innerhalb dieses Rahmens soll der Wettbewerb den bestmöglichen Weg für Gebäude und Stadtraum aufzeigen.

Auch der Erhalt wesentlicher unterirdischer Gebäudeteile gehört zu den Rahmenbedingungen.

Innerhalb dieses Rahmens soll der Wettbewerb unterschiedliche Lösungen untersuchen und die bestmögliche städtebauliche und architektonische Antwort für Gebäude und Stadtraum entwickeln.